Das Zeiss SilverTwin

Die kleinen Objektive von Zeiss, welche die Firma Baader in ihrer Werbung anbot sprachen mich schon einige Zeit an. Versprachen die 50/540 Objektive doch eine gute Abbildungsqualität im Vergleich mit den kleinen Einsteigerfernrohren fernöstlicher Marken.
Besonders bei der Sonnenbeobachtung erhoffte ich mir durch den kleinen Objektivdurchmesser eine zum Vergleich mit größeren Objektivöffnungen eine ruhige und scharfe Abbildung.
So bestellte ich mir am 30.11.01 eines dieser Objektive.
Als ich dann feststellte, dass das Objektiv mit Fassung eine Größe hat, mit der sich recht unkompliziert ein Doppelfernrohr bauen lies, denn zwei Objektive dieser Größe passen mit Tubus für meinen Augenabstand gerade noch nebeneinander, bestellte ich am 17.12.01 ein zweites Objektiv.
Zu meinem Glück fanden sich passende Tuben bereits in meinem Materialbestand: Zwei Säulen der Tal M (oder Siberia) Teleskope sollten sich als vortrefflich eignen. Von diesen Tal Teleskopen hatte ich günstig insgesamt 3 Stück für das Mahagoni Bino und den Micro Dobs gebraucht gekauft und ausgeschlachtet.
Okularauszüge sind sehr teuer, so hat es sich günstig ergeben, dass ich die vorhandenen 1 ¼ Zoll OAZ für das 9 Zoll BinO-Owl gegen zwei Zoll Auszüge austauschen wollte. So konnte ich nun die kleinen für das SilverTwin verwendetwerden.

Die Tuben
Die Tal Säulen mussten erst einmal auf das passende Außenmaß gedreht werden. Zum Glück sind die Rohre in der Mitte durch ein Rundgewinde teilbar (welches sich später positiv für geringes Transportmaß und Kolimation auswirken sollte), so konnten die recht dickwandigen Rohre auch von Innen dünner gedreht werden.
Da mein Augenabstand 60,5mm entspricht, hatte ich die Rohre zusammen auf das Maß von 58,8mm abgedreht, um noch etwas Luft zur Augenabstandskorrektur zu haben. Die Rohrstücke wurden dann von innen dünner gedreht um das Gewicht der Rohre zu reduzieren. Was erst mal etwas Quälend war, stellte sich später als positiv heraus:
Der Innenausdrehmeißel vibrierte beim Drehen dermaßen stark, so das ich beim Drehen einen Gehörschutz brauchte. Letztendlich entstand dabei aber eine schöne raue Oberfläche, so dass ich mir das auskleben mit Samt später ersparen konnte und ich einfach alles mit Schultafellack einpinseln konnte (ich wusste sowieso noch nicht wie ich den Samt in die 45mm engen Rohre bekommen sollte).
Die Aufnahmen für die Objektive drehte ich 0,4mm größer als die Objektivfassungen, nämlich auf 56,4mm. Dort habe ich dann einige Streifen Samt eingeklebt, damit die Objektive recht stramm eingesetzt werden konnten. Für Justierschrauben blieben bei dem dann 1,2mm Wandstärke der Rohre kein Platz mehr. Dadurch dass die jeweils geteilten Tuben mit einem Rundgewinde versehen sind, können sie durch das beim Rundgewinde typischen Spiel, beim Zusammenschrauben der Rohre die Objektive gut kolimiert werden, wenn man dabei ein Chesire Okular verwendet.
Die Aufnahmen für die 1 ¼ Zoll Auszüge sollten 2 Zoll Steckmaß betragen, damit später noch 2 Zoll Okulare verwendet werden können.
Die Okularauszüge
Damit ich die Auszüge auf 2 Zoll Steckmaß anpassen konnte, mussten auch die Auszüge noch stark modifiziert werden.
Da bei den 1 ¼ Zoll Auszügen von JMI Zwar eine große Auflageplatte (wie bei den 2 Zoll Auszügen) vorhanden ist, diese aber zur Gewichtsreduzierung unten ausgedreht wurde, musste ich zwei Runde Stücke passgenau einsetzen, damit wieder Fleisch da war. Diese wurden dann verschraubt und dann konnten die Auszüge außen auf 2 Zoll Steckmaß abgedreht werden.

2 Zoll !!
damit das Bino auch im 2 Zoll Betrieb funktioniert, brauchte ich noch einen zweiten 2Zoll Zenitspiegel. Da für die 2 Zoll üblichen schwachen Vergrößerungen die Qualität des Spiegels nicht so hoch sein musste besorgte ich mir gebraucht einen günstigen.
Nun mussten aber beide Zenitspiegel von der Breite noch etwas abnehmen, damit sie nebeneinander passen. So wurden beide unter die Fräsmaschine gespannt und jeweils 3 mm runtergefräst, dann passten beide mit noch etwas Luft in die 2 Zoll Aufnahme der Tuben.
Fokussiert wird dann durch Verschieben der Okulare in den Steckhülsen der Zenitspiegel (die 1 ¼ Zoll Auszüge müssen dann ja komplett raus), das geht bei 18 X Vergrößerung noch sehr gut. Die Okulare stehen dann noch 10mm aus den Steckhülsen der Zenitspiegel raus, sie stecken also noch ausreichend tief drinnen.

Die Rohrhalterungen...
...habe ich aus 9mm Multiplex Birke angefertigt. Mit Hilfe einer kleinen Oberfräse wurden die zwei Doppelringe außen ausgefräst. Mit diesem kleinen Fräsgerät hat das über 2 Stunden gedauert.Mit der Lochsäge habe ich dann die Löcher gebohrt und diese auf das passende Maß der Tuben aufgeschliffen. Für den rechten Tubus habe ich die Bohrung noch um 2mm größer aufgeschliffen, damit das zweite Rohr justierbar gelagert werden kann.
Für die Justierschrauben habe ich von außen an jedem Doppelring drei Löcher für die Aufnahme einer Messinggewindehülse gebohrt. Diese Wurde durchbohrt, das Gewinde tiefer geschnitten und von innen in die Doppelringe gesteckt und mit Epoxydharz eingeklebt. Durch den Senkkopf der Gewindehülse, kann sie nicht nach außen durch das gebohrte Loch rutschen, wenn eine Schraube den Tubus festklemmt.
Für die Justierschrauben habe ich von außen an jedem Doppelring drei Löcher für die Aufnahme einer Messinggewindehülse gebohrt. Diese Wurde durchbohrt, das Gewinde tiefer geschnitten und von innen in die Doppelringe gesteckt und mit Epoxydharz eingeklebt. Durch den Senkkopf der Gewindehülse, kann sie nicht nach außen durch das gebohrte Loch rutschen, wenn eine Schraube den Tubus festklemmt. An der linken Seite der Doppelringe habe ich jeweils die Rundung außen etwas abgeflacht, damit dort eine Schwalbenschwanzschiene, zur Aufnahme an die Giro Montierung, angeschraubt werden konnte. Als Justierschrauben habe ich 6 Nylonschrauben verwendet. An der linken Seite der Doppelringe habe ich jeweils die Rundung außen etwas abgeflacht, damit dort eine Schwalbenschwanzschiene, zur Aufnahme an die Giro Montierung, angeschraubt werden konnte.

Das SilverTwin in der Praxis
Mit einer Vergrößerung von 18 - Fach, 90° Einblick, einem Eigengesichtsfeld von über 80° mit dem 30mm WideScan Okular und dem wahren Gesichtsfeld um die 4° Ist das Beobachten mit diesem Doppelfernrohr ein Genuss!
Welches Fernglas kann da noch mithalten?
Das Justieren der Tuben zueinander (Bildabgleich) funktioniert mit den Nylonschrauben recht gut. Manchmal reicht ein etwas festeres Andrehen einer Schraube und das sichtbare Bild beim Durchsehen rutscht zusammen.
Orinonnebel, die Plejaden, h&x und einige andere offene Sternhaufen und großflächige Nebel sind wunderbare Objekte für das SilverTwin im 2 Zoll Betrieb. Auch der aufgehende Mond oder Planeten-Konjunktionen machen sich gut als Stimmungsbild in diesem Doppelrohr.
Die Zeiss Objektive haben wirklich eine sehr gute Abbildungsqualität, bei f 10,8 sind für mich auch bei hohen Vergrößerungen kaum Farbfehler wahrnehmbar.Bei der Sonnenbeobachtung erweist sich, wie erhofft die kleine Objektivöffnung als positiv, man hat fast immer ein ruhiges Sonnenbild. Bei nur 27x Vergrößerung konnte ich bereits Ansätze der Granulen erkennen.Bei Mars konnte ich zur Opposition 2003 bei 114 X Vergrößerung locker die Große Syrte, Polkappe und noch einige andere größere Strukturen erkennen.
Der Vergleich zu meinem Pronto Short Cut mit dem Baader Großfeld - Binokularansatz ist interessant, haben doch beide die gleiche lichtsammelnde Öffnung.
Ich habe ich den Eindruck das Im SilverTwin das Bild transparenter und heller ist als im Pronto. Bei der Vergrößerung hat das Pronto dann wieder die Nase vorne , obwohl hier schneller als im SilverTwin Farbe ins Spiel kommt.

Was würde ich jetzt anders machen ?
Was sich in der Praxis als etwas unbequem erweist, ist die Justage für den Bildabgleich.
Ich hätte besser die Justierschrauben so gegeneinander versetzt, dass ich jeweils horizontal und vertikal die Einstellung vornehmen kann. So kann ich zwar horizontal gut einstellen (mit der rechten Schraube), aber vertikal geht es dann jeweils nur um 60° nach rechts unten, rechts oben....aber nicht von oben nach unten. Dies könnte durch eine Schraube von oben an einem der Doppelringe realisiert werden, die anderen 2 Schrauben des Doppelringes müssten dann auch noch versetzt werden.
Beim großen 9Zoll Bino habe ich diese Anordnung der Verstellschrauben bei den Hauptspiegeln realisiert.
Als weitere Verbesserung könnte man noch einen leichter einstellbaren Augenabstand realisieren, dies habe ich aber von Anfang an nicht geplant: Das SilverTwin sollte ein recht einfaches Doppelfernrohr werden. Eine verbesserte Augenabstandsregulierung hätte den Aufwand und das Gewicht unnötig vergrößert.
Eckdaten
Objektiv 50mm Durchmesser mit 540mm Brennweite
Maße mit 1,25 Okularauszügen:
Länge: 480mm, zerlegt längstes Teil: 200mm
Breite: 17,5mm
Höhe: 90mm
Gewicht: 2,9 kg
Verstellbereich Augenabstand: 60 bis 63 mm
Größtes wahres Gesichtsfeld bei 2 Zoll: 4,2°
Größtes wahres Gesichtsfeld bei 1 ¼ Zoll: 3°
Dieser Artikel wurde im VDS-Journal 2006, Nr. 19, Seite 45 bebildert abgedruckt
© Stefan Hammel